Warum „Mutter sein“ doch ein bisschen kacke ist!

Sie sind laut, stinken, schreien, rylpsen, benehmen sich daneben, benutzen unflätige Schimpfwörter und schiessen mit Erbsen quer durch den Raum…

 

 

Mutter sein ist kein Ponylecken.

 

Machen wir einen Zeitsprung von ca. 0-10 Jahren. Rückwärts.

 

Ein hübscher Schwangerschaftsbauch wölbt sich, das Gefühl platzender Seifenblasen unter der Bauchdecke entwickelte sich zu einem vehementen treten in Blase oder Symphyse.

Das morgendliche Kotzen ist einem ausgedehnten Hunger auf einfach alles gewichen.

Tage und Nächte die man einfach durchschlafen konnte, wurden zu Nächten in denen man keine richtige Position zum liegen findet.

Kennta?!

Schwangerschaftszeit, eine echt aufregende Zeit in der man besinnlich von der Zukunft mit einem Kind, seinem eigenen Kind, träumen konnte. Pläne schmieden, Vorsätze fassen. Der Wunsch eine „coole Mutter“ zu werden, der Vorsatz alles besser zu machen.

 

Idyllisch, nicht wahr?!

 

Die Medien zeigen uns doch immer wieder das Bild einer „idealen Mutter“.

Rosig und frisch, kurz nach der Geburt. Die Haare liegen, das Makeup sitzt. Die Mutter strahlt glücklich, der Vater gleich mit.

Immer ausgeruhte und ausgeglichene Mütter werden uns vor die Nase projiziert, Mütter die Nachmittage mit ihren Freundinnen in Cafés verbringen, niedlich schlummernde Kinder in stylischen Vehikeln, die strahlenden KinderriegelGören und HariboMonster., friedvolle Vormittage auf dem Spielplatz…. die Messlatte liegt hoch!

Und wir wollen GENAU DAS!! So soll es sein!! So wollen wir werden.!

 

Aus der Traum.

Die Nabelschnur ist durchtrennt. Die NeuMutter liegt schwitzend und derangiert in unwürdiger Pose auf dem Kreißbett. Völlig offen, wund, gefühlt ausgeweidet. Die halbe Belegschaft glotzt zwischen die Schenkel. Danken wir den Glükshormonen des Momentes, dass wir einen Teil unserer Würde bewahren konnten. Dann wird genäht, gewartet dass die kläglichen Reste der 9Monats Versorgungsstation auch noch den Ausgang findet. Fachleute nennen das ja Placenta.

Das kleine schmierige, blutige Menschlein wird auf die Brust gelegt. „Herzlichen Glückwunsch [und willkommen in der Hölle!“]

In erster Instanz ist frau erstmal völlig unzurechnungsfähig. Überflutet, überschwemmt von Hormonen. Abgesoffen im Taumel zwischen Glückseligkeit und Erschöpfung.

Die Haare wirr, der Blick verklärt und die Wimperntusche jenseit seines Tanzbereichs.

Das war ja nun erstmal nichts mit schöner Imitation besinnlicher Fernsehgeburtsszenen.

Bitte schön, aller Anfang ist schwer und Fehler passieren.

Und jetzt?

Dieses Menschlein ist erstmal Neu, man weiss nicht wie es funktioniert, wie es bedient werden soll, erstmal bleibt nur irres Bestaunen. Und ausserdem, frau hat nebenher noch ein wenig Geburtsttrauma zu verknacken.

Das erzählt dir ja vorher auch keiner.

Körperlich passiert da noch eine Menge. Glaubste etwa man erzählt dir im Vorfeld dass Du wochenlang wattierte Surfbretter in deinen Schlüppi stopfen musst, damit die Bluthunde dich nicht bis nach Hause verfolgen?

Wochenfluss nennen sie das. Ich nenne das „Verdammte Schice!!!“

Und deine Brüste? Was eine ordentliche Männerhand ausfüllte, schwillt explosionsartig zur Größe einer Melone an. Und was lernten wir bereits?! Explosionen sind schmerzhaft. IMMER!

Die Brust ist nur noch im Weg. Stört, schmerzt. NERVT!

„Ich hätte gerne einen Penis!“ zählt dann auch nicht mehr.

Abstilltabletten machen es im übrigen auch nicht besser. Die Killerhormone machen dich fertig!!! Von Kotzen bis ausgeprägte Wochenbettdepression, ist alles dabei!

Hurra!!! Nicht!

Aber auch das ist nur ein Auszug der postnatalen Begleitbeschwerden.

Oh ja… Dammschnitt. Auch ein ganz tolles Ding!

„Das merken Sie nicht.“ Stimmt! Aber man hört es!!!! Das widerlichste Geräusch unter der Sonne!! Ich kann bis heute kein rohes Geflügel mit der Geflügelschere zerteilen!!!!

 

Und Mensch, diese fiesen ekelhaften Nachwehen, hätte ich ja ganz vergessen.

Das sind dann nach der Wehenprozedur noch so kleine Ekelhaftigkeiten, Juchuuu Miniwehen bis der werte Uterus sich entschlossen hat einmal ums 100fache zurück auf die Größe einer Pflaume zu schrumpfen.

Lassen wir das an dieser Stell einfach mal im Raum stehen.

 

Da ist ja noch dieses zuckersüße, wundervolle kleine Menschlein.

Unverbraucht und frisch gepresst riechen sie ja am tollsten..das ändert sich. Versprochen.

Als NeuMutter hast Du ja erstmal Ahnung von nichts. ,Aber dafür gibt es ja nette (ich wünsche Ihnen nette!!!) Hebammen/Kinderkrankenschwestern, die in der Klinik die Grundzüge und Grundbegriffe der Aufzucht vermitteln.

Füttern, waschen, wickeln. Was mache ich mit dem Kabelstumpen am Bauch und und und.

Die Damen geben ihr bestes, können aber auch nicht auf alles vorbereiten. Ist so. War schon immer so. Gibt es auch kein 100%iges Handbuch zu. Jedes Kind ist individuell und ganz persönlich für uns gemacht.

 

Dieses Würmlein gehört uns, wir sind verantwortlich.

Verantwortlich wenn der keine Quälgeist mit 3Monatskoliken eine ganze Neubausiedlung lautstark zusammenbrüllt und mit nichts zu beruhigen ist. Wir sind die, die ein SchulterArmSyndrom entwickeln, nach 6-8 Stunden „entspannender Fliegergriff“ und Furchen laufen in den Teppich.

Wir sitzen nach Wochen regungslosen Verharrens im Sessel, der kleine Schatz wird ja schon wach und greint wenn wir es nur wagen zu husten, beim Orthopäden und lassen 672 Blockaden lösen.

Wir sind die, die mit Babykotze auf der Schulter und Milchresten im Haar, völlig verlumpt in den örtlichen Supermarkt wanken.

Unser Schlafdefizit übersteigt die Schulden Griechenlands. Und verdammte Schice, das holen wir nie wieder auf! Nie!!! (Ich versuche das ja bereits seit 11 Jahren…Keine Chance, Ladys!)

Teppich und Parkett kannste gleich mal abschreiben, Von Babykotze, angekauten Keksen, Breispritzern, ausgelaufenem Tee wird sich eben jener Bodenbelag nie wieder erholen.

Die Mikroben jubilieren. Wenn es ganz leise ist, kann man sie hören.

Putzen und gut gelackt den Tag gestalten, mit einem grinsenden Säugling oder Kleinkind?!

An 2 von 15 Tagen könnte das klappen. Meist macht uns das Herzchen einen Strich durch die Rechnung. Hunger, Bauchweh, Nähebedürfnis…irgendwas ist immer.

So verbrachte ich gut und gerne mal ganze Tage im Pyjama und war auch sonst eher ein Bild des Jammers.

WIE MACHEN DIE FRAUEN IN DER WERBUNGS DAS NUR?!

Die kleinen Stinker werden ja zum Glück größer und „einfacher“. Das heißt aber nicht dass es auch einfacher wird.

Laufen lernen, ganz feine Sache. Den Bewegungsradius vergrößern. Lauter tolle Sachen entdecken. Super!!!! KACKE!!! Z.B. gemütlich duschen während der Racker wach ist? Keine Chance.

90% des Tages flizzt Frau dem Entdecker hinterher und bemüht sich um Schadensbegrenzung. Rettet das Haustier vor tätlichen Übergriffen, Topfpflanzen vor Abstürzen, das Kind vor ungewollten Flugstunden.

Ruuhig bleiben. Gaaanz ruhig.

AM ARSCH!!!

Nach der Erschöpfung kommt die Verzweiflung, die Tränen und die Wut.

Frau sieht absolut verlottert aus, die Augenbrauen sind mit T.Weigel in Konkurenz getreten, MakeUp sah das Gesicht ewig nicht, die Tränensäcke könnten als Schlafstätte für Schafherden dienen, der Biomüll kann in 7 Wochen eingeschult werden, die Blumen wachsen knusprig, an der Tür läutet es IMMER wenn der Wutz gerade schläft, die Nachbarn poltern durchs Stiegenhaus.. zu viel zu viel zu viel!!!!! Am Ende!!

 

Geplante Café-Besuche platzen regelmäßig. 10Minuten vor dem Aufbrechen- Das Kind kotzt/fiebert/schreit ohne Unterlass…. Darauf ist verlass!

Das Gleiche gilt für PaarAbende, Einladungen.

Und selbst wenn man Oma/Tante/Cousine als Babysitter abstellt… in 2 von 10 Fällen trudeln NotSMS und BrandAnrufe ein und der Abend muss abgebrochen werden.

Die Sache mit der Spontaneität kann sich unisono mit der Abnabelung von der Backe geputzt werden. Schnell mal eben? Kurz auf nen Sprung? Ganz wie früher?! Keine Chance! Baby schläft/zähnt/impfreagiert. Muss pünktlich zu Bett/gefüttert werden. Schliesslich möchte man den hart antrainierten Tag- Nachtrythmus nicht durcheinanderbringen.

Zum Heulen! Zum Verzweifeln! Zum Schreien! Zum Haare raufen!

Und hey!!! Der Milchzahnterrorist ist noch frisch. Das Drama fängt doch gerade erst an. 

Das mit der grundentspannten Mami, ging also völlig in die Hose. Alle Seifenblasen geplatzt.

Und Tadaaaaa da sind sie schon! Die Selbstzweifel! Der eigene Druck.

„Bin ich überhaupt eine gute Mutter?“ „Warum klappt das bei anderen, nur bei mir nicht?“ „Was mache ich falsch?“ „Ich will doch nur das beste!“

SchwuppdiWupp heult der Minimensch mit uns im Duett. Da hat sich doch glatt die VerzweiflungsStimmung übertragen. Mist.

 

DARAN IST NUR DIE MULTIMEDIALE WELT SCHULD!!!

(Und die Flunkereien anderer Mütter, bei denen ja alles so wunderbar klappt!! Ich sag´s Ihnen.. Alles erstunken und erlogen!!!!)

 

Wissen Sie was wirklich das Beste für so einen NeuMenschen/KleinKind/Pubertier/GroßMenschen ist?!

 

Eine Mutter die sich keinen Druck macht, die sich selbst vergeben kann, die sich nicht dem „Diktat“ beugt und diesen verdammten Mutterjob nicht zu ernst nimmt!!!

 

Mütter sind Menschen. Und Mutter sein ist ein Grenzgang. Oftmals einfach nur blöd und keiner sagt Dir wie es richtig geht. Es gibt keine schematisierten Handlungsmuster oder Dienstanweisungen. Es ist das Ding mit Intuition und Gefühl.

In einem Leben mit Kindern macht man Fehler. Aber auch genau so viel richtig!

 

„Liebt und lebt!!“..

Schrieb ein 3faches Muttertier, dass heute noch regelmäßig an die Decke geht und das Muttersein im Grunde ganz schön schicenanstrengend und hart findet.

 

Und JA. Manchmal wünschte ich mir, ich würde Steine erziehen.

 

Hergeben werde ich die Bande trotzdem nicht.

Zahnlose Lächeln, die ersten Bartstoppeln und kindliche Welterklärungen, entschädigen erstmal für alles!!

 

 

5 Gedanken zu “Warum „Mutter sein“ doch ein bisschen kacke ist!

  1. Wirklich gut geschrieben. Aba ganz ehrlich, ich will es nicht missen wollen, wenn meine Tochter 5 sagt. „Papa ich liebe dich“

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s