Ficken und Pommes

„Gefühle sind in dieser Zwischenmenschlichkeit leider nicht vorhanden“
Genervt drücke ich die Zigarette auf der Untertasse aus.
Gut, dann anders. Wähle „Platonisch“ und verschlucke mich am Kaffee. Aha, okay!
„Was zahlste? Verlieb Dich in mich (Du bist eine Frau, das wird passieren!) – investiere Zeit und Muße – erwarte keine Gegenleistung“ –
War jetzt nicht das was ich lesen wollte.
Oaar, diese Menschen. Reichlich frustriert drücke ich des Spaßes halber „Ficken“.
„Die von Ihnen gewählte Funktion der Zwischenmenschlichkeit ist sofort verfügbar – Download
beginnt in 8 – 7 – 6- 5…“
Hektisch drücke ich „Abbrechen“

War ja klar! Ficken geht immer, sobald du nur ein bisschen hübscher als ein Affe bist.
Und selbst wenn, zur Not macht man das Licht aus..
Entrüstet stehe ich auf und verlasse das Café. Ihn lasse ich sitzen, mit der Rechnung.
Irgendwann hört der Spass einfach auf.

Das war´s. Das dritte Mal. Die einzig verfügbare Option war „Ficken“!
Schön und gut, gegen Sex an sich ist um Gottes Willen nichts einzuwenden.
Aber immer nur die gleiche Funktion? Das Leben ist nicht nur Ficken und Pommes!!

Panisch reisse ich den Handspiegel aus der Tasche und nehme meine Stirn unter die Lupe.
Komisch! Ich kann da nichts entdecken! Kein „Bitte nach Benutzung sachgerecht entsorgen!“,
kein „Fick mich!“

Überfragt und latent angpisst gehts nach Hause. In der U-Bahn knutschende Pärchen, giggelnde Teenis glotzen
einem Surferboy auf den Arsch. In der Nase der aufdringliche Geruch von Kotze, Schweiss und Pisse.

Ach Welt!!!

Ich bin Mann -frustriert!
Ich war mir sicher, es muss sie geben! Die Männer die ihr Herz auf der Zunge tragen können ohne Brechreiz unterdrücken zu müssen,was traf ich?

Grabscher, Redenschwinger, Blender und verschlüsselte Aussagen wie „Ich hab Dich lieb“ mit der unterschwelligen Bedeutung
„Kritisier mich einmal, dann spiel ich lieber mit wem anders“

x Strohfeuer für einen Mann – schneller auf dem Boden der Tatsachen angkommen als je gedacht.
„Naiv“ sollte als Vorname zugelassen werden.

Genug Gram, Erfahrung verbucht als „These untermauert“ – Mit der Zeit lernt man sein Herz zu schützen.

Zu Hause schnell dem Kater die Ohren kraulen, die Tasche in die Ecke gepfeffert.
Ein Stahlkäfig im Schlafzimmer, kostbarster Inhalt. Schön anzusehen, doch dort ist nicht der rechte Platz dafür. Doch unabdingbar. Viel hält es nicht mehr aus.
Seuftzend öffne ich den Reissverschluss in meiner Brust und setze mein Herz zurück.

Ich wünschte es wäre anders gekommen.

2 Gedanken zu “Ficken und Pommes

  1. Sehr gut – oder sollte ich besser sagen: eher treffend …
    Wenn dir sowas widerfährt sollte man schleunigst seinen Umgebeung wechseln, denn das Sein bstimmt dass Bewusstsein.🙂

    Mario

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