die Fremden – Der Letzte Akt?

  Jeden Abend, immer zur selben Zeit. Seit 4 Jahren kein anderes Bild dass meine Netzhaut berührt, an immer der gleichen Stelle.

Eine hell erleuchtete Küche, eine Glasfront zur Strasse hin. Hübsch. Neubau am Feld.

Er links, sie rechts. Abendbrot.

19:40 immer zur selben Zeit. Sie essen, kauen, verdauen sich selbt, verdauen ihre Beziehung.

Er, immer eine Zeitung vor sich, eine Mauer zwischen ihr und seiner Hälfte des Tisches.

Vor ihr  immer eine geblümte Tasse Romantik. Das Haar locker zusammengebunden. Adrett und unschuldig.

Ich kann sie sehen, ihre Blicke. Erwartungsvoll auf seine illustrierte Mauer. doch immer ist nur pures Nichts.

Nie sah ich sie reden, diskutieren, streiten. Immer war alles hübsch aufgeräumt im Hintergrund. Kein dreckiges Geschirr auf der Ablage. Keine Mülltüte die längst dem alten Unrat gesellschaft leisten sollte.

Selten sah ich andere Akteure in dieser Szene. In meinem kleinen Theater. Mein heimlicher Blick in fremdes Leben. Jeden Abend auf dem Weg zum Dienst.

Ich kann Routine sehen, jeden Abend. Rituale. Anschweigendes kauen. Kurze Blicke. Hoffnungsschimmer. Zeitungsschutzwälle.

-Rituale geben Sicherheit. Veränderungen sind erstmal eine wackelige Sache, bis sie ritualisiert sind.-

Wie leben die beiden wirklich? Spekulieren könnte ich viel und kann es auch bleiben lassen.

Die Beiden sind mein Ritus, auf dem Weg zum Dienst. Mein Anker, dass meine kleine Welt ihre richtigen Bahnen läuft. 4 Jahre das gleiche Bild dass mich bewegt.

 

Doch heute blieb die Küche dunkel.

sie fehlen mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s