Ich bin Ich bin Ich

WER BIST DU?

 

Das Plakat brüllt mich an, die Ohren schmerzen

NEIN!!

Kopfhöhrer auf – Welt aus. Musik, mein Schutzschild.

Ich blende es aus!

In der U-Bahn – eiskalt erwischt, in einer Stadt die niemals schläft. Insomnie – schlimme Krankheit.

Ich habe kein Mitleid..

 

Meine Bahn fährt ein, irgendwer brüllt in mein Hirn etwas von Liebe, Leben, Freiheit

lasse mich einlullen von gesungenen Lügen..

 

Der Alte Mann neben mir stößt mir in die Seite -Musik aus. „Wer bist Du?“ Ich tu so, als wenn ich ihn nicht hören könne

„Wer bist Du hab ich dich gefragt Junge“ Der Alte wuchtet mir seinen Ellenbogen in die Rippen.

 

Nicht drüber nachdenken.. er ist sicher blau. Betrunkene faseln ja immer komische Sachen.Ich stehe auf und setze mich ans Ende des Wagens… Ruhe..

 

Eine hübsche Endzwanzigerin schaukelt liebvoll einen Kinderwagen – im Gang. Warum? Dort hinten ist extra einParkplatz für so ein Kinderbeförderungsschiff.

Steht doch nur im Weg rum der Mist.

 

Ein zärtlicher Blick zum Sprössling… „und… ach du mein Süßer.. Wer bist Du?“ Ein Blinzeln in meine Richtung

 

VERDAMMT!!! Sie auch! SIE AUCH!!! SIE!!! AUCH!!!!

 

-Haltestelle-Raus!!

Weg hier!

 

Ich renne durch den Bahnhof, immer schneller – in meinen Ohren Geschichten über Heimat, Frieden…

 

Der Schweiss rinnt mir über das Gesicht, meine Füße fliegen förmlich über die abgetretene Fliesen – Was sie wohl schon alles zu sehen bekommen haben?

Keine Zeit darüber nachzudenken- Ich muss hier verdammt nochmal raus

 

*rumms*

 

Ich liege am Boden-zu blöd zum Laufen

 

Der Sound – beschwingtes thematisiert Spass und Lebensfreude, irgendwas über Mädchen 

-Spassfraktion-

 

bewegungslos – betrachte die Welt von ganz unten – Scheusslich – Dreckig-  Abscheugfühle machen sich breit. 

Ein stinkender Feudel zieht rythmisch seine Bahnen, ganz in der Nähe  – verschwunden. Putzkolonne denk ich noch.

 

*FLATSCH* widerliche Brühe spritzt in meine Augen, erblicke drahthaarig stämmige Beine „WärbüschDu? 

Schreiend springe ich auf, renne um mein Leben, meine Seele

2 Wochen lang verfolgt sie mich schon – die allgegenwärtig Frage. Ich werde wahnsinnig.

 

Zu Hause, im Postkasten ein Flugblatt „Und wer sind Sie?“

Ich muss kotzen. Übergebe mich lautstark in die Rabatten

 

Ich kann nicht mehr

 

Wer bin ich? – Wer –  bin ich?

 

Ich bin ich bin ich bin ich

 

So einfach ist die Sache. Oder?

 

Verschanze mich im Bad, spüle Mund und Gesicht. Nichts ist ekelhafter als Kotzgeschmack.Erschöpft rutsche ich an den Kacheln die Wand hinunter, lehne die Stirn an das kühlende Porzellan.

 

Wer bin ich?

Ich bin 24 Jahre alt, habe eine abgebrochene Lehre als Tischler vorzuweisen, bin erfolgreich arbeitslos, mein Tag beginnt typisch männlich mit Arschkratzen und

Morgenlatte, Kaffee und Zigaretten als Wachmacher, ich lebe in den Tag hinein.Irgendwie bekomm ich ihn immer rum. Trotzdem. Etwas fehlt.

 

Wer bin ich?

Der Sohn meiner Mutter, soviel weiss ich mit Sicherheit.

 

Und weiter?

Mir fällt nichts ein. Ich habe kein Freunde die ich mal eben anrufen und fragen könnte. Meine Eltern oder Geschwister anrufen? Keine Chance, sie wollen mit mir nichts

mehr zu tun haben. Ich bin nicht komplett. Ein Teil vom Ganzen fehlt. Irgendwo. Unfassbar.

 

Ich bin Nichts. Ich leiste Nichts.Ich habe niemanden.

 

Die Erkenntnis treibt mir die Tränen in die Augen. Wütend und traurig zugleich wanke ich in die Küche.Auf dem Tisch liegt die Zeitung „Wer bist du?“ Signalrote Buchstaben springen mich an.

Im Wahn zerreisse ich das Papier, jammernd, weinend..kotze die bittere Wahrheit in die Spüle. Hässlich.

 

Ein Bier – langsam beruhige ich mich. Schalte das Radio ein „Hallo! Wer bist Du?“, ich nehme das Scheissteil und werfe es aus dem Fenster, es ist mir egal wen es erschlägt.

 

Ruhe.

 

Es klingelt. Müde und durcheinander öffne ich die Tür zum Treppenhaus, warte.

 

„Ja, ein besonders schwerer Fall, eben erst hat er es erfahren.“ „Nein, er ist selbst drauf gekommen, hat ihn hart getroffen.“ Hast Du den Dackel auf dem Gehsteig gesehen?“ „Schade um das schöne Radio…“ „Ist halt nicht einfach…“ „Aber wir kriegen das hin!“

 

Stirnrunzelnd stehe ich im Türrahmen. Was kommt jetzt?

 

2 ältliche Damen trippeln die Stufen hinauf, die vermeintlich Älteste reicht mir ihre faltige kleine Hand;

 

„Guten Tag, wir kommen von der Gesellschaft für Verlorene mit Findungsproblematiken. Wir möchten Ihnen gerne behilflich sein.“

 

„Mir? Wobei denn bitte?“

 

„Wie mir scheint haben Sie es versäumt sich selbst zu finden. Der unschuldige Dackel vor dem Haus spricht Bände. Glauben Sie mir, wir haben schon viel gesehen.“

 

„Ach ja.. und jetzt? Ufo´s kommen mich holen und implizieren irgendwas in mich rein? Womöglich noch durch den Arsch…?!“

 

„Nein, wir haben ein ausgeklügeltes Programm indem wir Ihnen helfen Ihr ICH zu finden. Offenbar sind Sie beide an irgendeiner Stelle in diesem Leben getrennt worden. Allerdings müssten Sie die Kosten selbst tragen. Selbstfindung ist eine alterative Heilmethode. Aber nur damit, WIRKLICH NUR MIT UNS könnn sie jemals ein gutes Leben führen..“

 

Ungläubig knall ich die Tür und setze mich auf den Boden, lausche.

 

„Das war wohl nix..Du und deine lukrativen Ideen.. Am Arsch Brunhilde!!“ „Ach halt die Klappe…“

 Verstecke mich, ziehe meinen Pulli über den Kopf.

 

Und jetzt?

Ich ohne Ich.

Die Gedanken drehen sich im Kreis. Stunde um Stunde. Bewegungslos verharre ich auf meinm Platz.

Es muss doch weitergehen!! Irgendwie!! Ich kann das Ruder doch sicher noch mal rumreissen. Vielleicht kann ich mir ein neues Ich machen? Leihen? Kaufen? Und dann mach ich alles anders. Fange neu an. Ganz neu!!

 

Ein zaghaftes Klopfen an der Tür.

„NEIN!“

Stille.

Ein Zettelchen rutscht unter dem Türspalt durch 

„Ich habe Dich gefunden!! Lass uns von vorn beginnen! Dein Ich“

 

 

 

 

Danke an @Kulturfolger für das heutig Zwiegspräch und die Inspiration,  an Stefan F. für den fliegenden Dackel. Auch wenn es bei ihm ein Blumentopf war.

Rechtschreibfehler und Grammatikdehnung sind wie immer ein Gratisfeature

 

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