Die Güte der Psyche

„Ich habs Dir doch gesagt!“ Der Verstand knallt wüst sein Beirglas auf den Tisch.

 

„Sei endlich still! Es ist schon schlimm genug! Streu ruhig noch Salz in die Wunde,  Du scheiss Besserwissr!!!“ brüllt die Liebe über den Tisch.

Mit hängenden Schultern rührt sie in dem Mörteleimer vor ihr. Die Stirn in Falten gelegt

Neben ihr ein Haufen Scherben.

Ein zerbrochenes Herz.

„Wenn Du Dich nicht eingmischt hättest wär es gar nicht so weit gekommen, du blöde weichgspülte Plinze!!“ Verstand rülpst und kratzt sich zwischn den Beinen.

 

„Jajaja.. wenn nicht ich, dann du!!“ Die Liebe nimmt einige Scherben aus dem Eimer, „Herz“ steht auf seiner Seite, versucht sie zusammen zu setzen.

Immer wieder sucht sie nach fehlenden Teilen, immer öfter fällt das Puzzle auseinander.

Eine Träne läuft der Liebe über die Wange.  Schön hätte es sein können..2 Herzen im Takt, eins…Vollkommen!!

 

*klopf klopf* zaghaft öffnet sich die Tür.. „Und? Wirds klappen?“ Die Angst linst in den Raum.

„Pssssscht“ – Die Psyche im Schaukelstuhllegt den Finger an die Lippn – „Ruhe! Zerbrochene Herzen sind empfindlich!! Dass ihr das auch nie lernt!!“

 

Leise beruhigende Worte, flüsternd – Die Liebe kittet und spachtelt, klebt, puzzelt, näht und spricht dem kleinen Herzen Mut zu.

„Alles wird gut! Ich bin auch ganz vorsichtig! Ich tu Dir nicht weh.. wirklich! Nicht noch einmal. Versprochen!!

 

Der dicke Verstand bricht in schallendes Glächter aus „Liebe, meine kleine Hexe.. niemand lügt so schön wie du!!“

 

Sie beisst sich auf die Lippen und spachtelt einen besonders großen Riss im Herzen, lansgam und mit Sorgfalt. Soll ja ordentlich aussehen.

 

Schweigen erfüllt den Raum, die Zeit verinnt im Abfluss und ist unwiederbringlich verschwunden. Unstete Gesellin, viel beschäftigt, ohne Rast.

 

Das Vertrauen schleicht durch den Raum wie ein werdender Vater vor dem Kreißsaal, rennt Furchen in den Boden ohne Unterlass. Ein Tiger im Käfig. Schaut die Liebe fragend an… „Es klappt? Können wir weitermachen wie vorher??“

 

„Nun ein bisschen aufpassen müsst ihr schon noch, die Flickstellen sind frisch. Herzkitt braucht etwas länger zum Trocknen als Angstspachel. Aber dann… ich glaube es wird wieder!“

 

Das Vertrauen atmet auf und setzt sich endlich, schiebt sich eine Zigarette zwischen die Lippen und legt die Füße auf den Tisch.

 

Eine Stille breitet sich aus, ab und an klappern die Werkzeuge der Liebe auf dem Tisch. Kerzenschein erhellt die düsteren Ecken.

 

Endlich tritt sie vom Tisch „Fertig!! Ich glaube wir haben es geschafft. Es ist wieder ganz.“

 

Der Verstand stampft an den Tisch „Naja… es sieht ja schon so ein bisschen aus wie ein geflickter Football oder? Die Naht da hinten… naja.. der Wille zählt.“ und schlägt der Liebe anerkennend auf die Schulter.

 

„Ich denke damit kann ich Arbeiten“ meint das Vertrauen.

 

„Und das hält jetzt auch wirklich?“ die Angst versteckt sich hinter dem Sessel.

 

„Ja! Diesmal hält es! Ich bin mir sicher!“ Die Liebe trocknet sich die Händ an ihrer Schürze und putzt ihren Arbeitsplatz sauber.

 

„Dein Wort in Gottes Ohr!!! Is ja nicht das erste Mal dass wir hier sitzen und das Beste hoffen“

 

Müde und erschöpft verlassen sie den Raum.

 

Das steht es das Herz. Etwas matt, das Funkeln verloren. Der Football-Vergleich, gar nicht so abwegig. Narben, Nähte, schlecht verputzte Risse. Etwas verbeult und abgenutzt. Spuren von Leid, Schmerz. Vom Leben.

Und diesmal, die Totale! Es ist zerbrochen. Ein Haufen Scherben. Einen guten Job hat die Liebe gemacht, keiner hätte es für möglich gehalten. Es ist wieder in einem Stück.

 

Die alte Psyche erhebt sich aus ihrem Schaukelstuhl, betrachtet das Herz und seuftzt. Schwer war´s. Viel erlebt haben die beiden zusammen in den letzten Jahren.

 

Die Psyche sieht müde aus, ihr Gesicht faltig und eingefallen. Sie streichelt wehmütig über ihre Freundin.

 

Neben dem Tisch ein Eimer Mörtel, etwas klumpig aber noch gut.

Sie rollt ihre Hemdsärmel auf und geht ans Werk.

 

Leise lächelnd verputzt sie das gesamte Herz zu einem grauen Stein, der Kern kostbar.

 

Geschützt vor allem. Vor weiterer Qual, Schmerz und Leid. Niemand wird mehr Zugang haben. Niemand noch mehr Wunden zufügen.

 

Sturzbachtränen rollen der Psyche über die Wangen währen sie sich über den Tisch beugt, eine Notiz schreibt und an ihr Werk heftet

 

 

„Vorrübergehend geschlossen“

2 Gedanken zu “Die Güte der Psyche

  1. Unverblümt.
    Richtig.
    Hast mich berührt und
    mit einfachen Worten in Bilder gekleidet,
    was ich zwar häufig sagen wollte,
    aber dazu nicht direkt genug Zugang hatte.
    Ich sollte diesen Post ausdrucken und meiner Therapeutin mitbringen.

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