Kein Wort

Blondgelockter kleiner Engel. Eine Stupsnase.  10 kleine Finger, bereit die Welt zu begreifen. Mein kleiner Schatz.

Kleines Wunder.   – Kay –

Ich breche in Tränen aus. Fühle mich schuldig. Ich habe alles falsch gemacht. Oder alles richtig?

Ich möchte mit Dir darüber reden. Es erklären. Mich erklären.

Du bist Tod. Heute ist dein zweiter Todestag.

Zerfressen vom Krebs. Ein Tumor der dein Sterben nicht mehr als „unmöglich“ markierte riss dich von dieser Welt. Unsere Welt.

Wir waren so glücklich. Du mit deinem kleinen Laden, ich in meinem Job als Texterin.

Alles war so perfekt! Wir waren perfekt!

Alles ging so rasend schnell. Unerklärliche Schmerzen in den Beinen. Ständige Abgeschlagenheit. Von einem Arzt zum Anderen. Ein ständiges Hin und Her. Dann die Diagnose

Knochenkrebs.

Ein paar Silben die alles verändern!

Nichts war mehr wie es war. „Zusammen schaffen wir das“ – Unser Vorsatz.

Ich sitze auf dem Boden zwischen Bausteinen, Bilderbüchern – in meinem Kopf läuft ein Film im Schnelldurchlauf

Ärzte – Krankenhäuser – Du – Deine Haare im Waschbecken – Du – weinend in meinen Armen – Du – kreidebleich würgend über der Toilette – Du – abgemagert – Du – ein Häufchen Elend – Ich – die Starke.

Du mein sicherer Hafen, mein Held, meine Burg – dem Tod so nah. Im Mittelpunkt unseres Lebens.

Ich – beherrscht nach Aussen, in mir ein kleines Mädchen – schreiend, weinend flehend- Schutzlos – ohne Halt – einsam

Wir hatten Hoffnung, deine Werte besserten sich,irgendwann durftest Du nach Hause. Wir feierten ein Freudenfest. Ich war wieder glüklich. Wir lebten!

Ein paar Wochen später kämpfte ich mit Morgenübelkeit.  Ein Test bestätigte es – Wir werden Eltern! Wir begannen zu Träumen, uns Namen auszudenken.. aufgeregt wie an Weihnachten. Im Kopf bereits das Zimmer eingerichtet. Paten ausgesucht.

Dann kam alles anders

Dir ging es wieder schlechter,und schlechter. Deine Werte gingen plötzlich in den Keller. Keine Behandlung schlug mehr an. Die Hoffnung schwand. Die Gewissheit dich zu verlieren.. ich wollte nur weg. Der Schmerz zu groß.  Mein Alptraum sollte wahr werden, meine Kräfte schwanden

Timo – Dein bester Freund aus Jugendzeiten, der einzige der für mich während der ganzen Krankheitstragödie für mich da war – vielleicht das Beste und zugleich Schlimmste was mir passieren konnte.

Das Umstürzen eines Lego-Turms reisst mich aus meinen Gedanken – Kay lacht und jubelt.

Es klingelt an der Tür.

Heute ist Dein zweiter Todestag – wir wollen zu dir auf den Friedhof.

Ich hole Kay´s Jacke, ziehe meinen Sohn an

Er hat meine Nase, wunderschöne Lippen

und Timos Augen

Ein Geheimnis  – das mich auffrisst

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